Hörbuch – Die Selbsttäuschung der Menschen


👇Der nachfolgende Text ist ein Transkript des oben gezeigten Videos ☝️

Die Selbsttäuschung der Menschen ob ihrer Perfektion – ein Auszug aus Patrick Süskinds Roman “Das Parfüm”
Ein Fanprojekt, eingesprochen und visualisiert von David La Piovra®

Stimme und Ton: David La Piovra®
Bild: David La Piovra®, unterstützt mit Gemini/Nano Banana
Effekte: David La Piovra®, unterstützt mit CapCut


Und die Leute würden überwältigt sein, entwaffnet, hilflos vor dem Zauber dieses Mädchens und sie würden nicht wissen, warum.

Und weil sie dumm sind und ihre Nasen nur zum Schnaufen gebrauchen können, alles und jedes aber mit ihren Augen zu erkennen glauben, würden sie sagen, es sei, weil dieses Mädchen Schönheit besitze und Grazie und Anmut.

Sie würden in ihrer Beschränktheit seine ebenmäßigen Züge rühmen, die schlanke Figur, den tadellosen Busen.

Und ihre Augen, würden sie sagen, seien wie Smaragde und die Zähne wie Perlen und ihre Glieder elfenbeinglatt – und was der idiotischen Vergleiche noch mehr sind.

Und sie würden sie zur Jasminkönigin küren, und sie würde gemalt werden von blöden Porträtisten, ihr Bild würde begafft werden, man würde sagen, sie sei die schönste Frau Frankreichs.

Und Jünglinge werden nächtelang zu Mandolinenklängen heulend unter ihrem Fenster sitzen … dicke, reiche alte Männer auf den Knien rutschend ihren Vater um ihre Hand anbetteln …und Frauen jeden Alters werden bei ihrem Anblick seufzen und im Schlaf davon träumen, nur einen Tag lang so verführerisch auszusehen wie sie.

Und sie werden alle nicht wissen, dass es nicht ihr Aussehen ist, dem sie in Wahrheit verfallen sind, nicht ihre angeblich makellose äußere Schönheit, sondern einzig ihr unvergleichlicher, herrlicher Duft!

Nur er würde es wissen, er, Grenouille, er allein, er wusste es ja jetzt schon.

Ach! Er wollte diesen Duft haben! Nicht auf so vergebliche, täppische Weise haben wie damals den Duft des Mädchens aus der Rue de Marais.

Den hatte er ja nur in sich hineingesoffen und damit zerstört.

Nein, den Duft des Mädchens hinter der Mauer wollte er sich wahrhaftig aneignen; ihn wie eine Haut von ihr abziehen und zu seinem eigenen Duft machen.

Wie das geschehen sollte, wusste er noch nicht.

Aber er hatte ja zwei Jahre Zeit, es zu lernen.

Es konnte im Grunde nicht schwieriger sein, als den Duft einer seltenen Blume zu rauben.


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