👇Der nachfolgende Text ist ein Transkript des oben gezeigten Videos ☝️
Hypnose und Kontrolle über den Geruchssinn – ein Auszug aus Patrick Süskinds Roman “Das Parfüm”
Ein Fanprojekt, eingesprochen und visualisiert von David La Piovra®
Stimme und Ton: David La Piovra®
Bild: David La Piovra®, unterstützt mit Gemini/Nano Banana
Effekte: David La Piovra®, unterstützt mit CapCut
Mit einem Mal kam eine große Zufriedenheit über ihn. Keine trunkene, wie er sie damals im Schoße des Berges bei seinen einsamen Orgien empfunden hatte, sondern eine sehr kalte und nüchterne Zufriedenheit, wie sie das Bewusstsein der eigenen Macht gebiert.
Er wusste jetzt, wozu er fähig war. Mit geringsten Hilfsmitteln hatte er, dank seinem eigenen Genie, den Duft des Menschen nachgeschaffen und ihn auf Anhieb gleich so gut getroffen, dass selbst ein Kind sich von ihm hatte täuschen lassen.
Er wusste jetzt, dass er noch mehr vermochte. Er wusste, dass er diesen Duft verbessern konnte. Er würde einen Duft kreieren können, der nicht nur menschlich, sondern übermenschlich war, einen Engelsduft, so unbeschreiblich gut und lebenskräftig, dass, wer ihn roch, bezaubert war und ihn, Grenouille, den Träger dieses Dufts, von ganzem Herzen lieben musste.
Ja, lieben sollten sie ihn, wenn sie im Banne seines Duftes standen, nicht nur ihn als ihresgleichen akzeptieren, ihn lieben bis zum Wahnsinn, bis zur Selbstaufgabe, zittern vor Entzücken sollten sie, schreien, weinen vor Wonne, ohne zu wissen, warum, auf die Knie sollten sie sinken wie unter Gottes kaltem Weihrauch, wenn sie nur ihn, Grenouille, zu riechen bekamen! Er wollte der omnipotente Gott des Duftes sein, so wie er es in seinen Fantasien gewesen war, aber nun in der wirklichen Welt und über wirkliche Menschen.
Und er wusste, dass dies in seiner Macht stand. Denn die Menschen konnten die Augen zumachen vor der Größe, vor dem Schrecklichen, vor der Schönheit und die Ohren verschließen vor Melodien oder betörenden Worten. Aber sie konnten sich nicht dem Duft entziehen. Denn der Duft war ein Bruder des Atems. Mit ihm ging er in die Menschen ein, sie konnten sich seiner nicht erwehren, wenn sie leben wollten.
Und mitten in sie hinein ging der Duft, direkt ans Herz, und unterschied dort kategorisch über Zuneigung und Verachtung, Ekel und Lust, Liebe und Hass.
Wer die Gerüche beherrschte, der beherrschte die Herzen der Menschen.
Ganz gelöst saß Grenouille auf der Bank im Dom von Saint-Pierre und lächelte. Er war nicht euphorischer Stimmung, als er den Plan fasste, Menschen zu beherrschen. Es war kein wahnsinniges Flackern in seinen Augen und keine verrückte Grimasse überzog sein Gesicht. Er war nicht von Sinnen. So klaren und heiteren Geistes war er, dass er sich fragte, warum überhaupt er es wollte.
Und er sagte sich, dass er es wolle, weil er durch und durch böse sei. Und er lächelte dabei und war sehr zufrieden. Er sah ganz unschuldig aus, wie irgendein Mensch, der glücklich ist.

